Kappeskerb weicht Supermarkt?

Eine Entscheidung über die Weinhohle geht uns alle an

Die Entscheidung über die Zukunft des Parkplatzes Weinhohle in Eltville ist eine der wichtigsten Weichenstellungen für unsere Stadt in den kommenden Jahrzehnten. Doch anstatt einer offenen Diskussion und einer breiten Bürgerbeteiligung erleben wir Grüne und viele Bürgerinnen und Bürger ein Vorgehen, das wir als überstürzt, intransparent und letztlich undemokratisch empfinden.

Ein „Grundsatzbeschluss“, der viele Fragen offenlässt

Im Juni dieses Jahres wurde in der Stadtverordnetenversammlung ein „Grundsatzbeschluss“ gefasst, der den Weg für den Verkauf des Parkplatzes an einen Investor ebnen soll, der dort einen weiteren großen Supermarkt errichten möchte. Auf den ersten Blick mag dies als einfache Lösung erscheinen, doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich ein Bündel von Problemen und unbeantworteten Fragen, die wir Grüne mit Nachdruck ansprechen.

Unsere Kernkritik – Prozessuale Mängel und fehlende Transparenz:

  1. „Überstürzt und undemokratisch“: Der Grundsatzbeschluss wurde kurz vor der Sommerpause gefasst – zu einem Zeitpunkt, als viele Bürger nicht oder kaum eingebunden waren. Besonders gravierend: Der Ortsbeirat Eltville hatte den Verkauf an Edeka einstimmig abgelehnt und eine Fülle ungeklärter Fragen formuliert. Dieses Votum, das die direkten Anliegen des betroffenen Stadtteils widerspiegelt, wurde von der Stadtverordnetenversammlung einfach übergangen. Ist das die Art von Politik, die wir in Eltville wollen?
  2. Mangelnde Bürgerbeteiligung: Bei einer solch langfristigen Entscheidung, die das Stadtbild, den Verkehr und die Lebensqualität unserer Kinder beeinflusst, fordern wir eine echte und umfassende Bürgerbeteiligung – von Anfang an! Eine Bürgerversammlung im Nachhinein kann die fehlende Einbindung im Vorfeld nicht ersetzen. Wir brauchen einen ergebnisoffenen Dialog, der alle Stimmen hört und ernst nimmt.
  3. Verfrühte Festlegung auf einen Investor: Der Grundsatzbeschluss bezog sich explizit auf das Angebot eines einzelnen Investors. Das Ergebnis? Ein konkurrierendes Angebot mit einem deutlich höheren Kaufpreis von 2 Millionen Euro und einem durchdachten Konzept für öffentliche Nutzungen wurde erst später eingereicht. Ein transparentes, faires Ausschreibungsverfahren hätte dies von Anfang an geklärt und der Stadt womöglich ein besseres Ergebnis beschert.

Inhaltliche Bedenken – Was ist wirklich gut für Eltville?

Neben den prozessualen Mängeln sehen wir auch gravierende inhaltliche Probleme:

  1. Verkehrsinfarkt droht: Schon jetzt ist die Verkehrssituation in Eltville angespannt. Ein weiterer großer Supermarkt bedeutet tausende zusätzliche Autofahrten pro Tag. Ein umfassendes Verkehrskonzept liegt bis heute nicht vor. Wer trägt die Last dieses zusätzlichen Verkehrs?
  2. Umwelt und Klima: Eine verpasste Chance: Der Bau eines weiteren Marktes würde über 8.600 m² Fläche versiegeln und Tausende Tonnen CO₂ verursachen – sowohl beim Bau als auch durch den zusätzlichen Verkehr. In Zeiten des Klimawandels müssen wir uns fragen: Ist weitere Versiegelung und Umweltbelastung der richtige Weg? Oder sollten wir nicht Flächen entsiegeln und „grüne Gürtel“ für unsere Kinder schaffen?
  3. Leere Versprechungen statt echter Lösungen: Uns wurde versprochen, der Grundsatzbeschluss sei nur ein Prozessbeginn und Lösungen für Vereine oder die Kappeskerb würden erarbeitet. Die Realität sieht anders aus: Wie in der Ortsbeiratssitzung am 30.10.2025 bekannt wurde, ist die Stadt entgegen aller öffentlichen Behauptungen bisher weder auf den Verkehrsverein (Kappeskerb) noch auf die AWO-Fahrradwerkstatt zugegangen, um über die Zukunft zu sprechen. Während Zuschüsse für die Kappeskerb gestrichen wurden, erhielten andere Veranstaltungen erhebliche Mittel. Das zeigt: Wichtige soziale und kulturelle Säulen unserer Stadt werden ignoriert. Eine unabhängige Wirtschaftlichkeitsanalyse hat zudem gezeigt, dass eine „alternative Vermarktung“ des Parkplatzes finanziell attraktiv sein könnte, ohne das Eigentum zu verlieren. Warum werden diese Alternativen nicht ernsthaft geprüft, sondern stattdessen Fakten geschaffen?

Unser Antrag auf Aufhebung wurde abgelehnt – Wir kämpfen weiter!

Um diesen überstürzten Prozess zu stoppen und eine echte, ergebnisoffene Debatte zu ermöglichen, haben wir Grüne einen Antrag (FA-21/2025) in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht. Wir forderten:

  1. Den Grundsatzbeschluss sofort aufzuheben.
  2. Alternative Nutzungsmöglichkeiten unter echter Bürgerbeteiligung zu diskutieren.
  3. Alle vorliegenden Angebote transparent zu machen und einer Kosten-Nutzen-Analyse zu unterziehen.

Das Ergebnis in der Sitzung vom 22. September 2025 war ernüchternd: Die Mehrheit aus CDU, SPD und BLL hat unseren Antrag in allen Punkten abgelehnt.

Für uns ist das ein fatales Signal. Es zeigt, dass die Mehrheitsfraktionen an einem einmal eingeschlagenen Weg festhalten wollen, obwohl entscheidende Fragen zum Verkehr, zur Umwelt und zu den Alternativen unbeantwortet sind. Die Ablehnung unseres Antrags bedeutet, dass die Sorgen des Ortsbeirats, vieler Bürgerinnen und Bürger und sogar die rechtlichen Bedenken von Konkurrenten ignoriert werden.

Wir Grüne lassen uns davon nicht entmutigen. Wir werden uns weiterhin mit aller Kraft für Transparenz, für eine echte Bürgerbeteiligung und für eine zukunftsfähige, grüne Stadtentwicklung einsetzen. Die Zukunft der Weinhohle ist zu wichtig, um sie ohne eine breite öffentliche Diskussion zu entscheiden.

Lass uns gemeinsam im Gespräch bleiben! Deine Meinung zählt.